Quid est veritas?

Kaum zu glauben: Mein aktuelles Weltbild lässt sich recht knapp zusammenfassen. Ein kurzes Bekenntnis.

In den unvorstellbaren Zeiträumen vergangener Äonen schuf der allmächtige Gott ein harmonisches, „sehr gutes“ Ökosystem, in dem die Menschheit im Einklang mit der Natur leben konnte (Genesis 1,31). Diese Schöpfung war wild, abenteuerlich (Hiob 40,15-32), aber auch vergänglich (2. Korinther 4,18), sodass jeder Atemzug als wertvolles Geschenk des Schöpfers wahrgenommen werden konnte. Schließlich gab sich Gott mit seinem Namen JHWH (Jahwe / Jehova) zu erkennen und suchte Beziehung zu seinen Geschöpfen (Genesis 3,9).

Leider neigen Menschen dazu, das Geschenk eines guten Lebens als etwas Selbstverständliches zu betrachten, das wir bei Gott einfordern können. Daraus folgt ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Schöpfer, wenn wir mit Leid und Schmerz konfrontiert werden. Und überhaupt wissen wir doch selbst am besten, was gut für uns ist! Also müssen wir für unsere Sicherheit sorgen – und damit einher kommt die Angst, die Kontrolle über das Leben zu verlieren. Plötzlich müssen wir uns durchsetzen, aufrüsten, verteidigen! Diese tiefe Angst führt wie eh und je zu Egoismus und Habgier und bringt die Schöpfung katastrophal aus dem Gleichgewicht. Indem wir uns Gott entziehen, dem Ursprung und Bewahrer allen Lebens, verlieren wir das Paradies. Das ist die ganze Dramatik unserers Daseins.

Der einzige Weg, die frühere Harmonie wiederherzustellen, führt über den Gottessohn Jeshua (Jesus Christus). Warum? Weil er selbst zu einem Sterblichen wurde und uns von Mensch zu Mensch Gottes Charakter und seine Liebe beweisen konnte. Arme und Schwache nahm er auf; den Mächtigen und Unterdrückern begegnete er mit feuriger Kritik. Sein Selbstanspruch war absolut: In der lateinischen Bibelübersetzung (der Vulgata) sagte er von sich selbst: „Ego sum via veritas et vita“Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben (Johannes 14,6). Meisterhaft nahm er den Menschen ihre Ängste und führte ihnen vor Augen, dass Gott nach unserem diesseitigen Lebenslauf eine unendlich viel bessere, ewige Schöpfung mit einem Platz für jeden von uns geplant hat (Johannes 16,33). Nur im Vertrauen darauf ist es möglich, angstfrei zu leben, und nur in dieser Freiheit können wir unseren Mitmenschen – sogar unseren Feinden – wirklich barmherzig begegnen. Das ist der Weg.

Aufgrund seiner Ansichten wurde Jeshua brutal hingerichtet. Selbst unter schlimmster Folter nahm er keines seiner Worte zurück, sondern lebte seine Lehre radikal zu Ende. Er sah nicht den Hass seiner Peiniger, sondern die tiefe Angst und Unsicherheit in ihren Herzen, und stieß den Schrei aus, der durch die Jahrtausende hallt: “Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas 23,34). Ja, wahre Liebe gerät immer unter die Räder. Der Gottessohn verreckte elendig, doch nach drei Tagen – als wolle der Schöpfer seine Signatur unter Jeshuas Leben setzen – erweckte er ihn vom Tod zu einem unvergänglichen, völlig neuartigen Leben (1. Korinther 15,44). Nun ist sein Leben Beispiel und Beweis dafür, dass nur durch Vergebung der Weg zurück ins Paradies möglich ist. Ob Lügenbold, Steuerbetrüger oder Mörder: Gott wird unsere Schuld vergeben, wenn wir untereinander vergeben (Matthäus 6,14+15). Denn schuldig geworden sind wir alle.

Es ist an uns, diese Aussagen mit einem ehrlichen, demütigen Herzen zu überprüfen. An der Geschichte vom menschgewordenen Gottessohn scheiden sich die Geister. Wagst du, wie der römische Statthalter Pontius Pilatus vor über 2000 Jahren, zu fragen: „Quid est veritas?“Was ist Wahrheit?